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Morrissey und The Smiths

The Smiths
 

The Smiths waren eine britische Indie-Rock Band der 80er Jahre, die 2004 vom Musikmagazin NME noch vor den Beatles zum Most Influential Artist Ever gekürt wurde. Sie wurde 1982 in Manchester vom Gitarristen/Songwriter Johnny Marr und Sänger/Songwriter Morrissey gegründet. Nach dem Weggang von Marr löste sich die Gruppe im September 1987 wieder auf.

Die Smiths werden oft als die Entwickler des modernen Indie-Rock gesehen und hatten vor allem auf die Britpop-Bewegung der 1990er-Jahre enormen Einfluss. In der Musik der Smiths vereinigten sich traditionelle Rockelemente mit eingängigem Pop, elegante Melodien mit kraftvollen Gitarrenriffs, sensibles Auftreten mit provokanten Texten, Melancholie mit zynischem Humor. Ihren Erfolg hatten die Smiths vor allem ihrem kontroversen und charismatischen Frontmann Morrissey zu verdanken, der in den 1980er-Jahren durch seine provokativen Äußerungen und sein außergewöhnliches Auftreten zu einer Popikone avancierte.

Obwohl die Smiths in der Zeit ihres Bestehens außerhalb Großbritanniens kommerziell kaum erfolgreich waren, sind sie im Laufe der Jahre zur Kultband geworden. Heute geben viele wichtige Rockbands (etwa Oasis, Deftones, Placebo, Supergrass, Belle and Sebastian, Radiohead, Franz Ferdinand, The Killers, Suede, Doves, The Libertines, Blur) die Smiths als Einflussquelle auf ihr musikalisches Werk an.

1982-1983: Die Gründung von The Smiths

Es war Anfang des Jahres 1982, als der 18-jährige Gitarrist John Martin Maher beschloss, eine Band zu gründen. Der musikbegeisterte Johnny Maher arbeitete damals als Verkäufer in einem hippen Kleiderladen in Manchester und hatte schon mit einigen Musikern zusammengearbeitet, darunter auch mit seinem alten Klassenkameraden Andrew "Andy" Rourke. Als er darüber nachdachte, wer als Mitglied seiner neuen Band in Frage käme, erinnerte er sich an einen gewissen Morrissey, der in der Musikszene Manchesters mehr oder weniger als exzentrische Außenseiterfigur bekannt war und den er bereits 1979 bei einem Konzert der amerikanischen Punksängerin Patti Smith das erste (und einzige) Mal getroffen hatte. Mit der Hilfe eines Freundes machte er den damals 23-jährigen Steven Patrick Morrissey ausfindig und stattete ihm einen Besuch ab. Die Chemie zwischen den beiden stimmte sofort, und bald darauf begannen sie in der Dachgeschosswohnung Mahers ihre ersten Songs zu schreiben. Maher schrieb die Musik, Morrissey die Texte.

Kurze Zeit darauf wurden Mike Joyce als Drummer engagiert. Als Bassist war anfänglich Dale Hibbert vorgesehen, wurde aber nach kurzer Zeit von Andy Rourke ersetzte. Nachdem Morrissey beschlossen hatte, als Künstlernamen nur seinen Nachnamen zu verwenden und Johnny sich statt Maher nun 'Marr' nannte, um Verwechslungen mit dem Drummer der Band The Buzzcocks mit demselben Namen zu vermeiden, war die Band The Smiths gegründet.

Der Ursprung des Bandnamens wurde im Laufe der Zeit auf verschiedene Arten gedeutet. Einerseits waren Morrissey und Marr beide große Fans von Patti Smith, andererseits könnte der Name auch durch einen Mann namens David Smiths beeinflusst worden sein. Smith war der Schwager der Massenmörderin Myra Hindley und überführte sie und ihren Mittäter Ian Brady an die Polizei. Morrissey meinte in einem Interview allerdings, dass er die Band The Smiths genannt hatte, weil Smith ein so gewöhnlicher und unscheinbarer Name wäre, und weil es Zeit für die gewöhnlichen Leute sei, der Welt ihre Gesichter zeigen.

Den ersten Live-Auftritt hatte die Gruppe im Lokal Ritz in Manchester, bei dem skurrilerweise der Sänger James Maker, ein Bekannter von Morrissey, als eine Art Backgroundtänzer mit auf der Bühne stand. Dieses "fünfte Bandmitglied" war zur Verwunderung vieler Zuseher bei den ersten paar Gigs der Smiths dabei; man konnte Morrissey aber bald davon überzeugen, dass die Band auch ohne ihren eigenen Gogotänzer auskäme. Weitere Auftritte und erste Demoaufnahmen folgten. Einen Plattenvertrag mit der stilprägenden Firma Factory Records aus Manchester, die unter anderem New Order und Joy Division unter Vertrag hatte bzw. gehabt hatte, lehnten die Smiths jedoch ab.

Anfang des Jahres 1983 erhielten The Smiths von Rough Trade Records das Angebot für die Produktion einer ersten Single. Diese Single, Hand in Glove, wurde am 13. Mai 1983 veröffentlicht und gelangte, obwohl sie wie auch spätere Veröffentlichungen vom englischen Radio-DJ John Peel gefördert wurde, in der offiziellen britischen Hitparade jedoch nur auf Platz 124. Morrissey, der vom Erfolg der Platte absolut überzeugt gewesen war, empfand das Ausbleiben eines Charterfolges anscheinend als eine so große Beleidigung, dass er Hand In Glove einen Platz auf jedem der später erscheinenden Compilation-Alben der Band sicherte.

1984-1985: "The Smiths", "Hatful Of Hollow" und "Meat Is Murder"

Bald entwickelte sich um die Gruppe herum eine kleine Anhängerschaft, und im Februar 1984 war ihre Bekanntheit bereits groß genug, um ein erstes Album zu veröffentlichen. Obwohl das selbstbetitelte Debutalbum The Smiths relativ erfolgreich war (Platz 2 in GB), fehlte der eher melancholisch angehauchten Platte einiges von dem Charme, die die Smiths bei ihren Liveauftritten ausstrahlten. Darüber hinaus waren die Smiths von vorn herein darauf bedacht, nicht das Image einer "Album"-Band, sondern eher dass einer "Singles"-Band zu projizieren. Kurz nach der Veröffentlichung des Albums entwickelte sich eine Diskussion um die Texte einiger darauf enthaltener Singles (Reel Around The Fountain, The Hand That Rocks The Cradle, Handsome Devil), die angeblich pädophile Andeutungen enthielten. Das umstrittene "Suffer Little Children", das als Thema die von Myra Hindley und Ian Brady im Manchester der 1960er-Jahre begangenen Moormorde hatte, stieß bei den Angehörigen der Opfer auf große Ablehnung. Nachdem Morrissey ihnen seinen persönlichen Bezug zu den Morden erklärt hatte (Morrissey war zu der Zeit, in der die Mordserie stattgefunden hatte, im selben Alter wie die meisten Opfer gewesen), entspannte sich die Situation jedoch wieder. Außerdem entdeckte die englische Musikpresse damals anscheinend das Starpotential Morrisseys. Insbesondere die depressive Jugend und die zweideutige Sexualität des im selbstverordneten Zölibat lebenden Sängers wurde zum Fokus des öffentlichen Interesses.

Im selben Jahr wurde außerdem noch das Album Hatful of Hollow veröffentlicht, eine Mischung aus bisher unveröffentlichtem Material, B-Seiten der ersten Singles, BBC-Radio-Sessions und neuen Songs, u.a. der UK-Top 10-Single William, it was really nothing und dem später erst als Single herausgebrachten und auch auf dem 1985 veröffentlichten, dritten Album Meat is Murder enthaltenen How soon is now?, das im Jahre 2002 vom Pseudo-Lesben-Duo t.A.T.u. gecovert wurde. How soon is now? wurde auch zur Titelmelodie der US Hexenserie Charmed – Zauberhafte Hexen gemacht.

Das Anfang des Jahres 1985 veröffentlichte Album Meat Is Murder war um einiges rockiger und politischer als sein Vorgänger. Vor allem der Titelsong Meat Is Murder wurde zu einer Art Kultsong in der Vegetarierbewegung. Auf dem zweiten Studioalbum der Smiths ist auch ihr wahrscheinlich bekanntester Song How Soon Is Now? zu hören. Meat Is Murder erreichte als einziges Smiths-Album die Nummer 1 der britischen Charts. Der politische Ton des Albums wurde auch in dem Medienimage Morrisseys sichtbar, das in dieser Zeit immer provokativer wurde. Vor allem seine Angriffe gegen die damalige Premierministerin Margaret Thatcher und gegen das Hilfsprojekt Band Aid trugen stark zur Bekanntheit des kontroversen Sängers bei. Die Smiths konzentrieren sich weiterhin vor allem auf die Veröffentlichung ihrer Singles, die mittlerweile auch außerhalb Großbritanniens einige Bekanntheit erlangten.

1986-1987: "The Queen Is Dead", "The World Won't Listen", "Louder Than Bombs" und "Strangeways, Here We Come"

1986 war vor allem von extensiven Tourneen durch Großbritannien, die USA und Europa wie auch von der Arbeit an dem von der Kritik hoch gelobten Album The Queen Is Dead geprägt. Ein großes Problem, das die Smiths in dieser aufregenden Zeit beinahe ins Wanken gebracht hätte, war die Heroinabhängigkeit des Bassisten Andy Rourke. Rourkes Sucht wurde jetzt so augenscheinlich, dass er nicht mehr in der Lage war, auf der Bühne zu stehen. Nach langen Diskussionen entschied man, dass es das Beste wäre, Rourke zeitweilig aus der Band zu entlassen und an seiner Stelle den Bassisten/Gitarristen Craig Gannon einzustellen. Rourke erholte sich jedoch schnell und wurde nach nur zwei Wochen wieder in die Band aufgenommen. Auch Johnny Marr hatte in dieser Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Seit die Band von ihrer letzten US-Tournee zurückgekehrt war, hatte er die Gewohnheit angenommen, zu viel Alkohol zu trinken. Dazu kam, dass er gefährlich viel an Gewicht verloren hatte und sich vor fast jedem Liveauftritt der Band übergeben musste.

In der Zwischenzeit kletterte The Queen Is Dead auf die Nummer 2 der britischen Charts und wird heute als ein Meilenstein in der Musikgeschichte gesehen. Viele Musikzeitschriften wie der NME und der Rolling Stone plazierten es in die obersten Ränge der besten Rockalben, das Spin Magazine kürte es 1989 sogar als "The Best Album Ever Made" ("das beste Album, das je aufgenommen wurde"). Die nicht auf dem Album enthaltene Single Panic brachte die Smiths neuerlich ins Rampenlicht der Klatschzeitschriften, da Morrissey darin forderte, DJs aufzuhängen und Diskotheken niederzubrennen. Morrissey und Marr schrieben den Song im April 1986, als der Radio DJ Steve Wright zuerst die Katastrophe von Tschernobyl verkündete und geschmackloserweise gleich darauf den Wham!-Song I'm Your Man gespielt hatte.

Auch 1987 setzten die Smiths ihren Erfolg fort und stiegen mit ihren Singles fast immer in die britische Top 20 ein. Im Laufe des Jahres wurden zwei Compilation Alben The World Won't Listen (für den europäischen Markt) und Louder Than Bombs (für den amerikanischen Markt), auf denen viele der bekanntesten Singles und einige in der Zwischenzeit entstandenen Songs der Band enthalten sind, veröffentlicht. Trotz dieser Erfolge wuchsen die Ungereimtheiten und Konflikte zwischen den Mitgliedern der Gruppe immer weiter an. Vor allem musikalisch hatten sich Morrissey und Marr in völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Marr wollte neue Stile in die Arbeit der Smiths miteinbeziehen und mit anderen Musikern zusammenarbeiten, wogegen sich Morrissey strikt wehrte. Obwohl nach der Veröffentlichung des vierten und letzten Studioalbums der Gruppe, Strangeways, Here We Come, kaum jemand mehr an das Weiterbestehen der Gruppe glaubte, war es ein großer Schock für Morrissey, als Marr die Band im August 1987 abrupt verließ. Morrissey, Rourke und Joyce versuchten danach, mit anderen Gitarristen weiterzumachen, merkten aber recht schnell, dass The Smiths ohne Marr nicht existieren können. Die offizielle Trennung erfolgte im September 1987.

Die Zeit nach der Trennung und "Rank" (1988)

Kurz nach der Trennung der Band begann Morrissey an seiner Solokarriere zu arbeiten und engagierte 1988 den Produzenten Stephen Street, der auch schon für das letzte Smiths-Album Strangeways, Here We Come verantwortlich zeichnete. Marr spielte in den Folgejahren mit diversen Künstlern zusammen, u.a. The The, Talking Heads, The Pretenders, Paul McCartney und Electronic. Zur Zeit ist er Bandleader von Johnny Marr and The Healers, in der u. a. Zak Starkey (Sohn von Ringo Starr von den Beatles) spielt. Andy Rourke und Mike Joyce arbeiteten nach der Trennung zumeist als Studio-Musiker, u.a. für Julian Cope, Sinead O'Connor, Badly Drawn Boy (nur Andy Rourke), The Buzzcocks (nur Mike Joyce) und Vinnie Peculiar.

Im Jahr eins nach der Trennung (1988) erschien plötzlich und unerwartet das einzige offizielle Live-Album von The Smiths mit dem Namen Rank. Hierbei handelt es sich um die Aufnahme eines der letzten Smiths-Konzerte (Kilburn, 23rd October 1986). Skurrilerweise ist dieses relativ lange nach der Trennung veröffentliche Live-Album auch die einzige offizielle Veröffentlichung einer Konzert-Aufnahme der Band.

Als Bootlegs kursieren allerdings mittlerweile Aufnahmen vom allerletzten Konzert (12. Dezember 1986, Brixton Academy, London), die mit großem Sammlerwert gehandelt werden. Bei diesem Konzert spielten The Smiths als einziges (und logischerweise letztes) Mal den bei Fans sehr beliebten Song Some Girls Are Bigger Than Others vom 86er Album The Queen is dead.

In der 50-jährigen Jubiläumsausgabe des einflußreichsten britischen Musikmagazins New Musical Express wurden die Smiths zum „Greatest Artist Of All Time“ gewählt, noch vor den Beatles und den Rolling Stones. Der Einfluß der Smiths auf die Musikgeschichte war und ist immens, angefangen vom Indie-Pop bis hin zum Britpop. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Gerüchte um eine Wiedervereinigung der Smiths. Morrissey gab auf die Frage, ob er sich noch einmal eine Zusammenarbeit mit Johnny Marr vorstellen könne, die Antwort: „Lassen Sie es mich so ausdrücken: Nein“.

Im Jahr 1996 gerieten die Smiths wieder in die Aufmerksamkeit der Medien, als der Drummer Mike Joyce die ehemaligen Bandkollegen Morrissey und Marr auf Entschädigungszahlungen verklagte. Während des Bestehens der Band hatte es nie schriftliche Vereinbarungen mit Rourke und Joyce über deren finanzielle Beteiligung an der Band gegeben. Weil die Gruppe offiziell nur aus Morrissey und Marr bestanden hatte, bekamen die beiden anderen Bandmitglieder nur den Betrag, den die Gründer der Smiths für sie vorgesehen hatten - und das waren allerdings nur jeweils 10 % des Gesamteinkommens der Smiths. Joyce empfand dies als Betrug und verlangte ein Viertel des Gesamteinkommens der Band, obwohl er an der Entstehung der Songs eigentlich nie beteiligt gewesen war. Auch wenn der Richter Morrissey und Marr zu Entschädigungszahlungen verurteilte, ist der Rechtsstreit bis heute nicht eindeutig geklärt.

Andy Rourke spielte kürzlich einen Gig mit Johnny Marr bei einem AIDS-Benfiz-Konzert in Manchester und arbeitet zur Zeit mit Peter Hook von New Order und Pete Garner (Ex-The Stone Roses) an einem Projekt, das sich nach eigenen Angaben „sehr basslastig“ anhört.

Der Stil der Smiths

Musikalische Einflüsse

Obwohl die Smiths heute als die Begründer des Indie-Rock gelten, waren sie in ihrer Zeit keiner musikalischen Richtung wirklich zuzuordnen. Grundsätzlich setzt sich der Stil der Smiths aus vielen verschiedenen Einflüssen zusammen, die vor allem von Morrisseys aber auch von Johnny Marrs Musikgeschmack bestimmt wurden. Da Marr und Morrissey nicht nur charakterlich, sondern auch hinsichtlich ihrer musikalischen Vorlieben größtenteils sehr unterschiedlich waren, entwickelte sich aus Marrs Musik und Morrisseys Texten eine auf Gegensätze aufbauende Mischung, die den Stil der Smiths ausmacht.

Morrissey, der genauso wie die übrigen drei Bandmitglieder als Teil der Arbeiterklasse aufwuchs, hatte schon von Kindheit an großes Interesse an Pop- und Rockmusik, was ihn etwas von seinen Zeitgenossen abhob. Was dabei vor allem in den Stil der Smiths einfloss, war seine Vorliebe für die Punk- und Glamrockband The New York Dolls sowie für 60er-Jahre Popsänger(innen) wie Sandie Shaw, Cilla Black, Billy Fury und Marianne Faithfull. Marr war eher klassischen Rockbands wie den Rolling Stones und Patti Smith zugewandt, hatte aber, genauso wie der Bassist Andy Rourke, auch eine Vorliebe für Funk, was sich in den melodiöses Gitarrenriffs und einer oft federnden Basslinie bemerkbar macht. Der Schlagzeuger Mike Joyce war eher dem Punkrock zugewandt, weshalb seine Schlagtechnik dementsprechend eher rauh und ungekünstelt war.

Morrissey behauptet jedoch, dass die Smiths in ihrem Musikstil von niemandem wirklich beeinflusst worden sind und in ihrer Zeit musikalisch etwas völlig Neues, Eigenständiges darstellten, das keinem bereits bestehenden Stil ähnlich war.

Themenwahl der Texte

Morrissey war schon von seiner Kindheit an sehr an Literatur interessiert (er schrieb unter anderem auch einige kurze Bücher), was sich natürlich sehr auf seine Arbeit mit den Smiths auswirkte. Interessant ist, dass er seinen Lieblingsautoren wie Shelagh Delaney und Oscar Wilde immer wieder Referenz zollte, indem er Zitate aus Werken von ihnen in seine Songs einbaute. So findet sich kaum ein Lied aus der Anfangszeit der Smiths, dass keine Textzeilen aus Delaney’s Theaterstück A Taste Of Honey enthält (Beispiele: „This Night Has Opened My Eyes“, „Reel Around The Fountain“…).

Die Texte der Smiths sind vor allem durch einen ironischen Humor geprägt, der brutalen Realismus mit bissigem Spott und sehnsuchtsvoller Träumerei verschmelzen lässt. Die Themen, über die die Songs der Smiths handeln, sind vor allem von der Diskrepanz zwischen dem freiwilligen Rückzug aus der "normalen" Gesellschaft und dem Verlangen, ein Teil davon zu sein, beeinflusst: Außenseitertum, unerwiderte Liebe, Sehnsucht nach einer verlorenen Kindheit, sexuelles Verlangen, gesellschaftliche Rebellion, Wut auf Autoritäten, unerfüllter Wunsch nach Anerkennung, Depression, gescheiterte Träume, soziale Unangepasstheit. Einige Aufregung verursachten im Laufe der Zeit auch die provokanten Textzeilen Morrisseys, der im Laufe der Zeit dazu auffordere, Diskos nieder zu brennen, DJs zu erhängen, Läden zu plündern, Hausaufgaben ins Feuer zu werfen und die Königin zu töten, was die Gruppe immer wieder ins Kreuzfeuer verschiedener Musikzeitschriften brachte.

Neben der vieldiskutierten „undefinierten“ Sexualität Morrisseys, die auch immer wieder in die Musik der Band einfloss, sind die Smiths vor allem für ihren „miserabilism“ (englisch für Trübsinn, Deprimiertheit) bekannt, was ihnen den Ruf, vor allem schüchterne, depressive Teenager anzusprechen, einbrachte. Tatsächlich ist die trotzige, selbstironischer Schwermütigkeit, die im Grunde typisch für die Gefühlslage von Jugendlichen ist, die vorherrschende Stimmung in den meisten Texten der Smiths. Bekanntes Beispiel ist die ironische Textzeile „Heaven Knows I’m Miserable Now“ aus dem gleichnamigen Lied.

Ästhetischer Stil

Weiters außergewöhnlich ist auch der ästhetische Stil der Smiths, der beinahe ausschließlich von Morrissey bestimmt wurde und sich vor allem in der Gestaltung der Auftritte und Platten der Band widerspiegelte.

Vor allem in der Anfangszeit der Smiths hob sich Morrissey durch seine Vorliebe, weite, bunte Damenblusen, dicke Brillen, ein Hörgerät und eine James Dean nachempfundene Haartolle zu tragen, auch durch sein Aussehen sehr von anderen Musikern ab. Bei den Auftritten hatte er die Gewohnheit, die Bühne mit Blumen (vor allem Narzissen und Gladiolen) zu schmücken und diese während des Auftritts wild herum zu schwingen. Morrissey, der dazu von der Blumenliebe seines Idols Oscar Wilde beeinflusst wurde, gab als Grund dafür an, dass die Welt schon trostlos und grau genug sei und die Blumen ihr etwas mehr Schönheit verliehen. Im Bezug der Auftritte ist auch der exaltierte Gesangs- und Tanzstil des Sängers interessant.

Die Platten der Smiths erlangten nicht zuletzt wegen ihrer außergewöhnlichen Coverdesigns Berühmtheit, die im Laufe der Zeit zu einer Art "Hall of Fame" für Morrisseys Idole wurde. Auf den Hüllen aller Platten der Smiths sind nämlich Persönlichkeiten aus Musik, Film und Literatur abgebildet (darunter Joe Dallesandro, Shelagh Delaney, Alain Delon, Elvis Presley, Jean Marais, Candy Darling), die der Sänger bewunderte und denen er damit ein Zeichen setzten wollte.

Diskografie

Alben

  1. 1984 - The Smiths - UK 2. US 150.

  2. 1984 - Hatful of Hollow (Compilation) - UK 7.

  3. 1985 - Meat Is Murder - UK 1. US 110.

  4. 1986 - The Queen Is Dead - UK 2. US 71.

  5. 1987 - The World Won't Listen (Compilation) - UK 2.

  6. 1987 - Louder Than Bombs (Compilation) - UK 38. US 62.

  7. 1987 - Strangeways, Here We Come - UK 2. US 55.

  8. 1988 - Rank! (live) - UK 2. US 77.

  9. 1992 - Best...I (Compilation) - UK 1. US 139.

  10. 1992 - ...Best II (Compilation) - UK 29

  11. 1995 - Singles (Compilation) - UK 5.

  12. 2001 - The Very Best of The Smiths (Compilation) - UK 31.

Singles

  1. 1983 - Hand in Glove - UK 124.

  2. 1983 - This Charming Man - UK 25.

  3. 1984 - What Difference Does It Make? - UK 12.

  4. 1984 - Heaven Knows I'm Miserable Now - UK 10.

  5. 1984 - William, It Was Really Nothing - UK 17.

  6. 1985 - How Soon Is Now? - UK 24.

  7. 1985 - Shakespeare's Sister - UK 26.

  8. 1985 - That Joke Isn't Funny Anymore - UK 49.

  9. 1985 - The Boy with the Thorn in His Side - UK 23.

  10. 1986 - Bigmouth Strikes Again - UK 26.

  11. 1986 - Panic - UK 11.

  12. 1986 - Ask - UK 14.

  13. 1987 - Shoplifters of the World Unite - UK 12.

  14. 1987 - Sheila Take a Bow - UK 10.

  15. 1987 - Girlfriend in a Coma - UK 13.

  16. 1987 - I Started Something I Couldn't Finish - UK 23.

  17. 1987 - Last Night I Dreamt That Somebody Loved Me - UK 30.

  18. 1992 - This Charming Man (re-release) - UK 8.

  19. 1992 - How Soon Is Now? (re-release) - UK 16.

  20. 1992 - There Is a Light That Never Goes Out UK 25.

  21. 1995 - Ask (re-release) - UK 62.
Steven Patrick Morrissey
 

Steven Patrick Morrissey kam am 22. Mai 1959 in Manchester, England geboren und ist ein britischer Sänger mit treuer Anhängerschaft, der unter anderem für seine kontroversen Texte und provokanten öffentlichen Äußerungen bekannt ist. Als Künstlernamen verwendet er nur seinen Nachnamen und wird von der Musikpresse und vielen Fans auch Moz (IQ242MOZ) oder Mozzer genannt.

Steven Patrick Morrissey ist vor allem als der Sänger der enorm stilbildenden und erfolgreichen Achtzigerjahre-Indie-Band The Smiths bekannt, die im Jahre 2004 vom New Musical Express zum Most Influential Artist Ever („einflussreichster Künstler aller Zeiten“) erhoben wurde. Nachdem sich The Smiths 1987 auflösten, startete Steven Patrick Morrissey eine wechselhafte, aber dennoch erfolgreiche Solokarriere und wird oftmals als der bedeutendste Poplyriker und Sänger seiner Zeit gesehen. Seine häufig provokativen und zynischen Texte drehen sich um Themen wie soziales Außenseitertum, Tierrechte (Song "Meat is Murder"), mehrdeutige Sexualität und unerwiderte Liebe, und sind vor allem für ihre beißende Selbstironie, ihre brutale Ehrlichkeit und ihren intellektuell und politisch beeinflussten Wortwitz bekannt.

Kindheit und Jugend von Steven Patrick Morrissey

Steven Patrick Steven Patrick Morrissey wurde am 22. Mai 1959 in Davyhulme, einem Vorort von Manchester, als Sohn der irisch-katholischen Einwanderer Elizabeth Dwyer und Peter Steven Patrick Morrissey geboren und wuchs in Stretford/Manchester auf. Schon früh entwickelte er Interessen, die sich von denen seiner Altersgenossen abhoben, und begann im Alter von sechs Jahren, Schallplatten von diversen Schlagersängern (u. a. Sandie Shaw, Billy Fury, Marianne Faithfull) zu sammeln.

Zu seiner Mutter, einer Bibliothekarin, hatte er ein erstaunlich enges Verhältnis. Er wollte zunächst sogar selbst Bibliothekar werden. Seiner Mutter hat er viele seiner Leidenschaften und Hobbys zu verdanken, die er in seiner Jugend fast bis zur Besessenheit pflegte. Bereits in seiner Kindheit fing er an, Werke von Oscar Wilde zu lesen, was seine spätere Arbeit stark beeinflussen sollte. Im Laufe seiner Kindheit konnte Steven Patrick Morrissey beobachten, wie sich seine Eltern immer weiter auseinanderlebten. Sie ließen sich allerdings erst scheiden, als Steven bereits 17 Jahre alt war. Die Beziehung seiner Eltern und die Taten der Serienmörder Myra Hindley und Ian Brady, die im Manchester der frühen 60er-Jahre Kinder und Jugendliche missbrauchten und umbrachten, hatten Einfluss auf seine weitere Entwicklung. In einem seiner ersten Songs, Suffer Little Children, arbeitete er die Geschichte auf. Die Mörder wurden überführt, nachdem sie von einem Mann names David Smith bei der Polizei angezeigt wurden. Dies ist allerdings nur eine von unzähligen Deutungen des späterens Bandnamens The Smiths.

Im Alter von elf Jahren beschloss Steven, Vegetarier zu werden. Da Steven Patrick Morrissey bei seinem Schuleinstufungstests nicht gut abschnitt, musste er auf die St. Mary's Secondary Modern School in Stretford gehen, die damals vor allem für ein niedriges Bildungsniveau und rückständige Erziehungsmethoden bekannt war. Die Erfahrungen, die er in seiner Schulzeit machte, verarbeitete Steven Patrick Morrissey später im Smiths-Song The Headmaster Ritual. Er zog sich in dieser Zeit immer mehr in sich zurück und hatte wenig Kontakt zu seinen Mitschülern, war allerdings häufig bei diversen Rockkonzerten in Manchester zu sehen.

Nachdem er früh die Schule beendet hatte, beschäftige er sich mit Literatur, Film und Musik. Als frühe Vorbilder dienten Steven Patrick Morrissey der Schauspieler James Dean, die Glamrockband The New York Dolls und die Schriftstellerin Shelagh Delaney, deren Drama A Taste of Honey eine Hauptinspiration für seine späteren Texte sein sollte. Seine Jugend war von Depression und Frustration geprägt. Er hatte kaum Freunde, nahm Antidepressiva und Schlafmittel und verließ selten sein abgedunkeltes Schlafzimmer, in dem er oft tagelang auf einer Schreibmaschine herumtippte. Er hatte zwar ein oder zwei kleinere Jobs, gab sie aber nach kurzer Zeit wieder auf. Dennoch war er in der Szene Manchesters durch seine musikjournalistischen Tätigkeiten kein Unbekannter mehr, und 1978 ersetzte er für kurze Zeit den Sänger der Band The Nosebleeds.

Die Jahre mit The Smiths für Steven Patrick Morrissey

Im Januar 1982 lernte er schließlich den vier Jahre jüngeren Gitarristen Johnny Marr (eigentl. Maher) kennen, der zu dieser Zeit versuchte, eine Band zu gründen. Steven Patrick Morrissey beschrieb das Zusammentreffen so, dass Johnny Marr eines Tages einfach vor seiner Tür gestanden und er sofort gewusst hatte, dass dies die Begegnung war, auf die er immer gewartet hatte. Sie begannen sofort, zusammen zu arbeiten. Marr schrieb die Musik, Steven Patrick Morrissey die Texte.

Zusammen mit dem Bassisten Andy Rourke und dem Schlagzeuger Mike Joyce gründeten die vier Mancunians die Gruppe The Smiths. Das Zusammenspiel der ironischen, psychologischen Texte von Steven Patrick Morrissey und der melodischen Gitarrenriffs von Marr machte The Smiths zu einer der einflussreichsten Bands. In der Musik der Smiths vereinigten sich traditionelle Rockelemente mit eingängigem Pop, elegante Melodien mit kraftvollen Gitarrenriffs, sensibles Auftreten mit kontroversen Texten, Melancholie mit zynischem Humor. Besonders interessant ist Morrisseys damaliger Gebrauch von Blumen (vor allem Narzissen und Gladiolen), die er als Bühnenrequisiten verwendete und wild durch die Luft schwang, sowie sein eigenwilliger Tanzstil.

In dieser Zeit begann auch das merkwürdige Verhältnis zwischen Steven Patrick Morrissey und einigen englischen Musikzeitschriften, die ihn einerseits zum neuen Musikgott erhoben, andererseits aber immer wieder wegen seiner zynischen, mehrdeutigen Texte angriffen. Insgesamt veröffentlichte die Band während der Zeit ihres Bestehens vier Studioalben, drei Compilation-Alben und ein Live-Album. Im Jahr 1987 spürten die Bandmitglieder immer mehr, dass die Chemie nicht mehr stimmte. Nachdem Johnny Marr die Band plötzlich verließ, versuchten Joyce, Rourke und Steven Patrick Morrissey vorerst ohne Marr auszukommen, scheiterten aber nach kurzer Zeit damit. Die vier Bandmitglieder gingen eigene Wege; Steven Patrick Morrissey und Marr kommunizierten in der Folgezeit nur über die britische Boulevardpresse.

Heute geben viele bekannten Rockbands (u. a. The Libertines, Franz Ferdinand, Oasis, The Killers, Suede, Belle and Sebastian, Coldplay) die Smiths als Einflussquelle an. Insbesondere der exaltierte Gesangsstil Morrisseys beeinflusste viele Britpop-Bands der 90er-Jahre.

Steven Patrick Morrissey Solokarriere

Kurz nach dem Split der Band The Smiths im September 1987 veröffentlichte Steven Patrick Morrissey schon Anfang 1988 seine erste eigene Single Suedehead und sein erstes Soloablum Viva Hate, die sofort in die englischen Charts einstiegen. Steven Patrick Morrissey schrieb weiterhin nur die Texte und den Gesangspart, für das Instrumentale waren im Verlauf seiner Solo-Karriere verschiedene Musiker wie Stephen Street, Alain Whyte, Boz Boorer und Jesse Tobias verantwortlich. Der häufige Wechsel des Managements, der auch schon in der Zeit der Smiths üblich war, setzte sich in Morrisseys Solokarriere fort. Obwohl er in den folgenden Jahren weiterhin regelmäßig Singles und Longplayer veröffentlichte, waren die meisten weniger erfolgreich als erwartet. Singles wie Ouija Board, Ouija Board wurden förmlich von der Kritik zerrissen, woraufhin die Arbeit an Morrisseys zweitem Soloalbum Bona Drag unterbochen und die Platte später nur als B-Seiten-Sammlung veröffentlicht wurde.

Auch wenn die folgenden Alben wie Kill Uncle kommerziell nie besonders erfolgreich waren, entstand um den Sänger im Laufe der Zeit eine fanatische Anhängerschaft und ein regelrechter Hype. Charakteristisch für den Starkult um Steven Patrick Morrissey ist vor allem, dass sich während seinen Auftritten immer wieder Fans auf die Bühne kämpfen und dort versuchen, Steven Patrick Morrissey zu umarmen und zu küssen. Nachdem Steven Patrick Morrissey seit der Trennung der Smiths nicht mehr getourt hatte, erfolgte 1991 die erste Welttournee. Eines seiner Konzerte im Hollywood Bowl in Los Angeles war mit 17.000 verkauften Tickets in nur 22 Minuten schneller ausverkauft als ein Konzert der Beatles. Das 1994 veröffentlichte, von einem melancholischen Ton geprägte Album Vauxhall and I erreichte wieder eine Topplatzierung in den britischen Charts und wird als das beste seiner Solokarriere gesehen. Das dazugehörige The More You Ignore Me, The Closer I Get erreichte während der 90er Jahre als einzige Steven Patrick Morrissey -Single einen Platz in der britischen Top-Ten.

Im Verlauf seiner Karriere war Steven Patrick Morrissey immer wieder scharfer Kritik ausgesetzt. Aufgrund der Zweideutigkeit seiner Texte (z. B. in Reel around the fountain und The hand that rocks the cradle auf dem Debütalbum der Smiths) wurde er in den 80er Jahren pädophiler Andeutungen beschuldigt. Weil er auf einem Reunion-Gig der Ska-Band Madness im August 1992 in einen Union Jack gehüllt und flankiert von zwei Skinheads auftrat und seinen umstrittenen Song The National Front Disco aus dem Album Your Arsenal spielte, begann in der englischen Musikpresse eine Rassismus-Debatte, die sich gegen Steven Patrick Morrissey richtete und auf seinen kontroversen Auftritt bezog. Er selbst reagierte nicht auf die Vorwürfe, weshalb ihn ehemals begeisterte Musikzeitschriften wie der NME boykottierten.

Während Steven Patrick Morrissey der britischen Klatschpresse eher als beliebte Negativschlagzeile diente, entwickelte sich in den 90er Jahren vor allem in den USA eine treue Anhängerschaft um den Sänger. Obwohl Steven Patrick Morrissey heute als einer der ur-britischsten Stars gesehen wird, wandte er sich in dieser Zeit immer mehr von England, mit dem er in einer Art Hassliebe (z.B. Irish Blood, English Heart) verbunden ist, ab. Nach einer kurzen Phase in Dublin zog er 1998 nach Los Angeles um und wohnte dort bis Mitte 2005 in einer Villa am Sunset Boulevard, die 1931 von Clark Gable gebaut wurde. Sein derzeitiger Wohnort ist Pressemeldungen zufolge ein Hotel in Rom.

Die von Fans und der Musikpresse häufig geäußerten Spekulationen um eine Reunion von The Smiths zerschlugen sich endgültig im Jahr 1996, als Mike Joyce, der Ex-Drummer von The Smiths, Steven Patrick Morrissey auf ihm angeblich zustehende Zahlungen aus der gemeinsamen Smiths-Zeit verklagte. Steven Patrick Morrissey wurde schließlich zu entsprechenden Zahlungen verurteilt und verarbeitete die aus seiner Sicht schreiende Ungerechtigkeit in dem Song Sorrow Will Come in the End, der auf dem Album Maladjusted erschien und in dem offensichtlich gegen Joyce gerichtete Morddrohungen anklingen. Aus diesem Grund landete dieser Song in Großbritannien auf dem Index und ist auf der dort veröffentlichten Album-Version nicht zu finden.

Nach mehreren Jahren ohne Plattenvertrag und - gemessen an seinen früheren Erfolgen - mittelmäßigen Platten, erschien 2004 das Album You are The Quarry, das von Fans und Kritik gleichermaßen begeistert aufgenommen wurde. Alle vier Single-Auskopplungen, Irish Blood, English Heart, First of the Gang to Die, Let me kiss you und I have forgiven Jesus stießen in Großbritannien bis in die Top 10 vor, was zuvor bei noch keinem anderen Steven Patrick Morrissey - oder Smiths-Studio-Album vorkam. Die beiden erstgenannten schafften es auch in Deutschland in die Top 50. Nach Jahren des selbstgewählten Exils begab sich Steven Patrick Morrissey wieder auf eine ausgedehnte Tour durch Großbritannien, die in einem in kürzester Zeit ausverkauften Konzert am Tag seines 45. Geburtstages in seiner Geburtsstadt Manchester vor über 15.000 Zuschauern gipfelte. Ein Mitschnitt des Konzerts ist unter dem Titel Who put the M in Manchester als DVD erschienen.

Im April 2006 erschien das neue Album Ringleader of the Tormentors, begleitet von der ersten Single-Auskopplung You have killed me. Produziert wurde das Werk von Studiolegende Tony Visconti (T. Rex, David Bowie) in den in Rom befindlichen Tonstudios von Ennio Morricone, dessen Orchester auch auf einem Track zum Einsatz kommt.

Nachdem Steven Patrick Morrissey das Publikum im Sommer 2006 bei Rock am Ring, Rock im Park und dem Montreux Jazz Festival mit seinen Auftritten begeisterte, folgt im Dezember 2006 eine Kurztour durch Deutschland (Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin und Hamburg).

Morrisseys momentane Band besteht aus Alain Whyte (Gitarre), Boz Boorer (Gitarre), Jesse Tobias (Gitarre), Gary Day (Bass), Mikey V. Farrell (Keyboards) und Matt Walker (Schlagzeug). Steven Patrick Morrissey hat außerdem bestätigt, im Moment an seiner Autobiografie zu arbeiten.

Diskografie von Steven Patrick Morrissey

Studioalben

 
  1. 1988 - Viva Hate - UK 1.

  2. 1991 - Kill Uncle - UK 8.

  3. 1992 - Your Arsenal - UK 4.

  4. 1994 - Vauxhall and I - UK 1.

  5. 1995 - Southpaw Grammar - UK 4.

  6. 1997 - Maladjusted - UK 8.

  7. 2004 - You Are the Quarry - UK 2. DE 7.

  8. 2006 - Ringleader of the Tormentors - UK 1.

Konzertalben von Steven Patrick Morrissey

  1. 1993 - Beethoven Was Deaf - UK 13.

  2. 2005 - Live from Earl's Court - UK 18.

Kompilationen von Steven Patrick Morrissey

  1. 1990 - Bona Drag (B-Seiten/Singles) - UK 9.

  2. 1995 - World of Steven Patrick Morrissey - UK 15.

  3. 1997 - Suedehead: The Best of Steven Patrick Morrissey - UK 25.

  4. 1998 - Rare Tracks (Japanisches Mini-Album)

  5. 1998 - My Early Burglary Years (Nordamerikanische B-Seiten-Kompilation)

  6. 2001 - The Best of Steven Patrick Morrissey (Nordamerikanische Kompilation)

Ansichten von Steven Patrick Morrissey

Steven Patrick Morrissey gilt mitunter als exzentrischer Zeitgenosse. In seiner Musik oder in Interviews äußert er sich oft bewusst provokativ zu den folgenden Themen:

  • Politik: Margaret Thatcher war in der Smiths-Zeit eine seiner Lieblingsfeindinnen, über die er sich immer wieder ausließ. Er beschuldigte sie, die englische Arbeiterschicht zerstören zu wollen. Nach seinem Anti-Thatcher-Song Margaret On The Guillotine wurde sein Haus von der britischen Polizei durchsucht. Weitere Zielscheiben seiner Kritik sind Tony Blair und George W. Bush. Vor den US-Wahlen 2004 forderte er öffentlich dazu auf, Bush aus dem Amt zu wählen. Als er gefragt wurde, ob er ein Fussballfan sei, sagte er, er wäre ein besessener Fan, würde man statt eines Balles Tony Blair herumkicken.
  • Rassismus: Seine Songs Bengali in Platforms und The National Front Disco mit der zynischen Textzeile "England for the English" wurden wiederholt - und nach Ansicht vieler fälschlich - als rassistisch ausgelegt und führten zu einer Debatte über Morrisseys politische Ansichten. Die Tatsache, dass er so gut wie jede Art schwarzer Musik missbilligt und Äußerungen wie „Ich hasse Pakistaner nicht. Ich habe nur eine unheimliche Abneigung gegen sie“ trugen dazu bei.

  • Sexualität: Er bekannte sich in den Achzigerjahren dazu, in einer Art selbstverordnetem Zölibat zu leben. 1990 verkündet er, dass er sich seinen Sex allabendlich bei den Live-Auftritten hole. Das und die Tatsache, dass sich viele seiner Texte um homoerotische Themen drehen, viele seiner Idole homo- oder bisexuell waren und er sich bei Auftritten oft sehr provokativ zeigt, führte zu Gerüchten über seine Homosexualität. Er selbst hat sich dazu nie klar geäußert, sagte aber er sei „keine sehr sexuelle Person“ und forciert das Verwirrspiel. Songs: Piccadilly Palare, He Knows I'd Love to See Him, Still Ill, This Charming Man, Handsome Devil, A Swallow On My Neck, (I'm) The End Of The Family Line, Ambitious Outsiders.

„Ich finde es äußerst langweilig, dass in unserer Gesellschaft so viel Wert auf Sexualität gelegt wird. Ich finde die ganze Idee von Sexualität überflüssig. Begriffe wie Heterosexualität, Bisexualität, Homosexualität kann ich nicht akzeptieren. Sie sind nur Vorsilben, die dem Wort ‚Sexualität‘ vorangesetzt werden. Es ist daraus zu folgern, dass es große Unterschiede zwischen den Menschen gibt, und das stimmt nicht. Eigentlich brauchen alle Menschen genau das Gleiche. Ich kann Heterosexualität auf keinen Fall anerkennen. Sie existiert nicht, und ich bin davon überzeugt, Homosexualität existiert auch nicht.“

– Steven Patrick Morrissey : zitiert in: Axel Schock & Karen-Susan Fessel: OUT!, Querverlag, Berlin 2004, ISBN 3-89656-111-1

  • Einzelgängertum: Steven Patrick Morrissey ist schon seit seiner Kindheit als exzentrischer Einzelgänger bekannt, der mit nur wenigen Leuten gut auskommt. Das mussten auch viele seiner Mitarbeiter am eigenen Leib erfahren, die er ohne ersichtlichen Grund feuerte, indem er ihnen mysteriöse Botschaften auf Postkarten zukommen ließ. Als seine engsten Freunde zählen Linder Sterling, eine Sängerin und Fotografin, die er bereits seit den 70er Jahren kennt und seit einigen Jahren auch Nancy Sinatra. Mit dem Boxer und Fotografen Jake Walters war er Mitte der 90er Jahre sehr eng befreundet.
  • Vegetarismus: Seine Mutter, eine überzeugte Vegetarierin, beeinflusste Steven Patrick Morrissey dazu, selbst für Tierrechte einzutreten. Er ist Vegetarier, seitdem er 11 war; dem zweiten Studioalbum der The Smiths gab er den Namen Meat is Murder. 2005 bekam Steven Patrick Morrissey für seinen Einsatz für Tierrechte den Linda McCartney Memorial Award der Tierschutzorganisation PeTA verliehen. Er weigerte sich im Dresdner Alten Schlachthof aufzutreten, nachdem er erfuhr, was der Name des Auftrittortes übersetzt bedeutet und ließ ein dort geplantes Konzert absagen. Nachdem die kanadische Regierung 2006 eine Robbenjagd angekündigt hatte, beschloss Steven Patrick Morrissey auf Konzerte in Kanada zu verzichten.
  • Musik: Steven Patrick Morrissey war schon in seiner Kindheit ein wandelndes Lexikon der Popgeschichte. Im Alter von zehn Jahren las er bereits alle wichtigen Musikzeitschriften, mit zwölf war er auf seinem ersten Konzert. Steven Patrick Morrissey war auch einer der wenigen, die bei dem mittlerweile berühmten Auftritt der Sex Pistols in der Manchester Lesser Free Trade Hall im Jahre 1976 dabei waren. Im Laufe der Zeit entwickelte er eine drastische Abneigung gegen einige Musikrichtungen wie Disco-Musik und forderte in dem Song Panic dazu auf, Discos niederzubrennen und den DJ zu erhängen: "Hang the DJ!". Der Text entstand, nachdem der englische Radio-DJ Steve Wright über die Tschernobyl-Katastrophe berichtete und anschließend einen Song der Gruppe Wham! spielte. Auch über Rap, Rave, Reggae und Teenage-Pop hat er sich wiederholt negativ geäußert.
  • Kollegen: Steven Patrick Morrissey ist unter anderem für seine zynischen Kommentare bekannt, die oft auf andere Musiker wie George Michael, Madonna, Britney Spears (Broccoli Spears), Janet Jackson, Whitney Houston, Elton John, Robert Smith und sein ehemaliges Idol David Bowie (David Showie) gezielt sind.
  • Die Royals: Morrissey bezichtigte die englische Königsfamilie des Öfteren des Ignorantentums und der selbstverliebten Dummheit. Er ist der Ansicht, dass Prinz Charles absolut keine Intelligenz besitze. Songs: The Queen Is Dead
  • Literatur: Steven Patrick Morrissey ist schon seit seiner Kindheit sehr literaturbegeistert und ein großer Fan von Oscar Wilde (er behauptet, alles von ihm und über ihn gelesen zu haben) und Shelagh Delaney, welche die Haupteinflussquelle für seine The-Smiths-Songs war. In seiner Jugend schrieb er selbst auch mehrere kurze Bücher, darunter die James-Dean-Biografie James Dean is not dead und ein Buch über seine Lieblingsband, die New York Dolls. Songs: Cemetry Gates

Filmografie

  1. 1990 - Hulmerist, Musikvideos aus den Jahren 1988-90

  2. 1992 - The Smiths. The Complete Picture, Auswahl von Musikvideos aus der Zeit mit den Smiths

  3. 1992 - The Malady Lingers On, Musikvideos aus den Jahren 1991-92

  4. 1992 - Live in Dallas, Morrissey-Livekonzert aus dem Jahr 1991

  5. 2002 - The Importance of Being Morrissey, TV-Dokumentation

  6. 2004 - Who Put the 'M' in Manchester, Morrissey-Livekonzert aus dem Jahr 2004

Literatur

  1. Simpson, Mark: Saint Morrissey, SAF Publishing, Ltd., 2003, ISBN 0-946-719-65-9

  2. Rogan, Johnny: Morrissey and Marr: The Severed Alliance, Omnibus Press, 1992, ISBN 0-711-930-00-7

  3. Morrissey: The New York Dolls, Babylon Books, 1981 / 1995, ISBN 0-907-188-50-8

  4. Morrissey: James Dean Is Not Dead, Babylon Books, 1983, ISBN 0-907-188-06-0